 Ganz auf urbayrische Art knallt Ottfried Fischers „Heimatabend“ in der Kenzinger Kleinkunstbühne „Kleinkunst im Original“ los: „Pack ma’s!“ Sein Programm „Wo meine Sonne scheint“ beleuchtet und interpretiert über zwei inhaltsschwere Stunden das kleine Wörtchen „Heimat“ von allen nur erdenklichen Seiten. Seine Interpretationen rasen durch politische, philosophische und religiöse Ansätze und finden emotionsgeladene Augenblicke mit der Auslegung und Sinndeutung des Begriffes in Bezug auf die Volksmusikszene. Was einerseits dem Schwergewicht der Kabarettszene sichtlich schwer fällt und ihn durch seine Krankheit kraftlos erscheinen lässt, hebt er auf der intellektuellen Seite in höchste Sphären. Er donnert in einem Tempo durchs Programm, dass das Publikum den Pointen stets hinterher hängt und offensichtlich das applaudieren verpasst. Amüsiert genießt Ottfried Fischer die Augenblicke, in denen er mit „Ha – Pointe“ sein schlagkräftiges Punktspiel für sich locker entscheidet. An manchen Stellen kommen seine temporeichen Bandwurmsätze künstlerisch schnoddrig daher. Will man dem Inhalt folgen, benötigt es höchste Konzentration. Doch Ottfried Fischer weiß auch immer wieder, den Spannungsbogen durch die Drosselung seines Sprachtempos und der Herausnahme des intellektuellen Inhalts aufrecht zu erhalten. So dürfen auch ein paar seichte Kalauer der niederen Gattung das Publikum erheitern. Selbst wenn zu fortgeschrittener Zeit aus Nachbars Garten die Klänge des Feuerwehrfestes immer lauter erklingen, bringt dies den Bayern nicht aus dem Konzept, sondern lässt ihn daraus spontan die Schlusspointe flechten: „Treff ma uns drüben – gemmas aufmischen – pack ma’s!“ Der vom Publikum bisher eher verhaltene Applaus ehrt Ottfried Fischer nach zweistündiger Nachhilfe in Heimatkunde mit anhaltenden Standing Ovations. Gerne signierte er die Anwesenheit der Gäste in seinem in der Zugabe präsentierten Buch – selbstverständlich von ihm persönlich geschrieben. Denn für Ottfried Fischer bleibt mit einem politisch aktuellen kabarettistischen Seitenhieb die Frage offen, ob man überhaupt abschreiben kann, wenn man gar nicht selber geschrieben hat! Als Ergo des gemeinsamen Heimatabends ist die Definition des Begriffes Heimat nach wie vor schwammig und zugleich schwierig geblieben. Denn mit ihr ist es wie mit der Kunst oder der Liebe, man kann es nicht erklären, man muss es erfahren.
Quelle: EventArt - Jürgen Schindler Eingestellt von: Jürgen Schindler
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