 Bekanntlich scheiden sich bei der Musik der Deutschrock-Band PUR die Geister. Die Stimmen der einen schreien lauthals „Schlagergedudel nein Danke“ und die Stimmen der anderen loben himmelhochjauchzend. Mit einem Rundumblick durch das restlos ausverkaufte Zirkuszelt auf dem Freiburger Zeltmusikfestival hat die schwäbische Superband PUR auf alle Fälle schon vor den ersten Tönen in der Kategorie „Publikumsmagnet“ volle Punktzahl verdient. Vertreten sind mit einer tendenziell weiblichen Mehrheit alle Altersklassen, wobei sich der Fokus des Durchschnittsalters bestimmt zwischen 20 und 30 Jahren einpendelte. Nach einer ausgiebigen, aus den Boxen erklingenden klassisch anmutenden Eröffnung, erstürmte die Band die Bühne und startete mit einer fulminanten Show den Deutsch-Pop-Abend. Ein perfekter Sound, welcher auch noch in den hintersten Rängen Nuancen der durchdachten und oftmals musikalisch phantasievoll verspielten Arrangements noch hören ließen, ließen auch in dieser Wertung keinen Negativpunkt ausmachen. Ein Blick auf die perfekt auf Inhalt und Dramaturgie abgestimmte Lichtshow ebenso. Phantasievoll durchdachte Farbkombinationen und Lichtakzente unterstrichen die Musik durch den ganzen Abend und überraschten immer wieder mit besonderen Effektstimmungen. Die Musiker um den charismatischen Publikumsunterhalter Hartmut Engler, allesamt perfekt miteinander groovend und musikalisch stimmig erklingend. Abwechslungsreich wurden die Songs aus neuen und alten Tagen mit unterschiedlichsten Instrumentalbesetzungen von der 6-köpfigen Band dargeboten, so dass auch hier keine akustische Langeweile aufkommen konnte. Die Freunde der härteren Gangart kamen bei PUR genauso auf ihre Kosten, wie die Kuschelrockfans. Letztgenannte ließen sich im Rund des Zeltes in emotionaler Pärchenhaltung sehr oft ausmachen und Hartmut Engler fühlte sich in der Rolle als Pärchenbeobachter darin sichtlich wohl. PUR ist stolz auf sein Publikum und versuchte sich immer wieder in Gesten und Moderationen sich auf die gleiche Ebene mit seinen Fans zu positionieren. Wohl niemand anderes kann mit seinem Publikum so in den Dialog treten wie Engler selbst. Oft Wortlos und nur gestikulierend gelang es ihm, das Publikum in Bewegung zu setzen. Da wurden urplötzlich Kanons gesungen, Hände in unterschiedlichsten Zeltsegmenten gen Himmel gerissen, in unterschiedlichen Lautstärken gesungen oder oder oder. Durch den PUR-Hit „Lena“ lag es natürlich nahe, Deutschlands-Grand-Prix-Stern mit einer Sondereinlage zu huldigen und so wurde zum einen die eigenen Lena-Lyrics umgetextet und zum anderen gab es eine urkomische „Lena“-Tanzeinlage von Engler selbst, in dem er dazu den Grand-Prix-Hit „Satellite“ auf seine Art und Weise coverte bzw. parodierte. Die musikalische Reise führte danach selbstverständlich auch durch das „Abenteuerland“, an Prinzessinnen und Rüdi vorbei bis hin zu Traum- und Seiltänzern. Immer wieder auch Songs des aktuellen Albums „Wünsche“, sodass im wahrsten Sinne für die PUR-Fans keine Wünsche offen blieben. Vermutlich blieben auch für die Mannen von PUR an diesem Abend keine Wünsche unerfüllt, denn in der hitzigen Zeltarena sangen Jung und Alt lauthals ihre Lieder mit und die Party war nicht zu toppen. Vermutlich wurden auch die Grantler und Nörgler eines Besseren belehrt, denn der Erfolg des Abends sprach für sich. Ohne Frage – auch mit Deutsch-Pop aus Schwaben ist eine ordentliche, amtliche Party möglich. Zu manch einem Rocker passte es vielleicht vordergründig nicht so wirklich, wenn er lauthals: „Ich lieb dich, egal wie das klingt, ich lieb dich, ich weiß dass es stimmt, denn ich lieb mich bei dir ich lieb mich an dir ich lieb mich in dir fest“ sang, aber wer will es kritisieren, wenn sich eine ganze Fangemeinde kollektiv mit purem Herzgefühl zeigt. Und so waren es doch schöne Gesten an einem heißen Abend und das Publikum ging mit einem guten Lebensgefühl heim. Quelle: Eingestellt von: Jürgen Schindler
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