
Wer als Sänger von Woodstock 1969 bis nach Freiburg 2010 einen Karrierebogen schlagen kann, zählt ohne Frage zu den Urgesteinen der Musikgeschichte. Vermutlich wird Joe Cocker mit seiner über 40 Jahre andauernden Karriere einen Platz besetzen, der zum einen einzigartig ist und den zweitens niemand mit diesem ausdrucksstarken Sänger teilen kann. Joe Cocker ist in seiner Art der Performance sowie in seiner Art zu Singen ein unnachahmliches Unikat. Wenn er singt, dann stecken all seine Gefühle und all seine Energie in den Silben und Tönen, welche selbst in undenkbaren Varianten menschlicher Stimmgebung erklingen können. Unglaublich ist, dass die Intensität dieser Kraftausbrüche über die Dauer von nahezu 2 Stunden Konzert aufrecht erhalten werden kann.
In der gut besuchten Freiburger Rothaus-Arena werden kurz vor 21 Uhr die Pfiffe immer lauter und die vom Band eingespielten Woodstockklassiker können die ungeduldige Erwartung des Publikums auf ihn nicht überbrücken. Die Wartezeit nach der genialen Einmann Supportband Jarle Bernhoft auf den Superstar scheint endlos. Doch dann, die Hintergrundmusik von James Brown wird auf Konzertlautstärke aufgedreht, das Saallicht wird abrupt gelöscht, und ein Livebild aus der Garderobe des erwarteten singendend Urgesteins zeigt Joe Cocker vor dem letzten Blick in den Spiegel und seinem darauf folgenden Weg durch die Gänge hin zur Bühne. Seine 6-köpfige Band und die 2 weiteren Backgroundsängerinnen haben zwischenzeitlich schon die Bühne betreten und den Groove von "Sex-Machine" übernommen. Den Übergang zum Eröffnungstitel "Get on" aus dem neuen Album "Hard knocks" ist nicht nur symbolisch treffender nicht zu wählen sondern knallt auch musikalisch einen Paukenschlag dem Showbeginn entgegen. Das Konzertprogramm hangelt sich fortan nun auf musikalisch höchstem Niveau erst einmal im Wechsel zwischen neuem Songmaterial der aktuellen CD (welches ausnahmsweise und für Joe Cocker untypisch keine Coversongs beinhaltet) und alten Hitklassikern. Die Erwartungshaltung des Publikums wurde in jeder Hinsicht erfüllt. Die Show war mit den Lichtstimmungen und der Klangqualität makellos und natürlich durften die Songs alle erklingen, welche Cocker weltumgreifend zu Hits formte und welche in den beliebten Radioformaten immer wieder aufgelegt werden: "Summer in the city", "Unchain my heart", "Feeling alrigth", "You can leave your hat on" oder die Gefühlsballaden wie "Up where we belong" oder "N'oubliez Jamais".
Die absoluten Gänsehautmomente erlebte das Publikum, als Cockers Stimme solo und nahezu ohne instrumentale Begleitung die Halle erfüllten. Gerade dann wurde die Kombination aus seiner Kraft und seinem beeindruckendem Können, den gesungenen Worten Gefühl in den Ausdruck zu geben besonders deutlich. Genau diese Art lassen bei ihm auch die seichtesten Liedchen zu einem Song wachsen, den man jedem anderen Sänger als seichte Unterhaltung andichten würde. Nicht so bei ihm und so darf auch in Freiburg seine berühmteste Ballade "You are so beautiful" nicht fehlen. Wenn der 66 Jährige sich während seiner Performance scheinbar wie in Trance seinen Songs hingibt, werden seine all zu oft belächelten Körperbewegungen immer dominanter. Das Vibrieren und flattern seiner Arme und Hände lassen selbst all seine Finger in unglaubliche Schwingungen versetzten. Auf der Bühne scheint er der unantastbare Platzhirsch zu sein und auch die Einsätze für die unterschiedlichen Instrumente werden oft durch seine markanten Andeutungen unterstrichen. Selbst die Endings der Songs werden quer durch den Abend immer wieder von ihm durch einen deutlichen Abschlusssprung akzentiert. Der zentrale Platz der Bühnenmitte ist ihm vorbehalten und wird im kompletten Konzertverlauf von niemandem betreten. Worte oder Kontakte zu seinem Publikum sind sehr rar und so bleibt es mit bei einem im English-Slang gesprochenen "Freiburg - Guten Abend" und einer knappen Bandvorstellung kurz vor Schluss. Selbst seine Gesichtsmimik ändert sich nur, wenn der berühmter Cockerschrei ihn scheinbar schmerzverzerrt dazu verleitet. Doch dieser Mangel an Dialog scheint niemanden zu stören. Allein seine Aura scheinen das Publikum wie die Musiker und Musikerinnen seiner Band in Glücksmomente zu versetzen. Erstgenannte werden schlussendlich erst wachgerüttelt, als nach seinem genial interpretierten Beatles Coverhit "With a little help from my friends" die Zugaben eingefordert wurden.Diese kamen natürlich lautstark und ohne zu zögern war die komplette Band wieder und wieder auf der Bühne präsent.
Als zweite und letzte Zugabe durfte die Ballade "Thankful" aus dem aktuellen Album erklingen. Mit diesem Song der aktuellen CD wurde schlussendlich der Rahmen des aktuellen Konzertprogrammes nach fast zwei Stunden geschlossen. Ja - dankbar ist Joe Cocker sicherlich in vielerlei Hinsicht. Dankbar, dass ihm diese wunderbare, intensive Gabe des Singens gegeben wurde, dankbar, dass er im heutigen Konzert den vielen Wasserfläschchen den Vortritt anderer möglicher Getränke gegeben hat und dankbar an sein Publikum, welches ihn über die Jahre die Treue gehalten und ihn begleitet hat. Und so ist es mit dem Künstler Joe Cocker wie mit dem guten alten Whiskey. Je älter je reifer und in Maßen zu sich genommen ein langanhaltender Hochgenuss für alle Sinne. Freuen wir uns also auf weitere Musikgenüsse mit einem der größten Rockurgesteinen der Musikgeschichte: Mr. Joe Cocker.
Quelle: EventArt - Jürgen Schindler
Partner: